Entfaltungen (2011)

Gänge durchs Gedächtnis – eine biografische Stückentwicklung
gefördert vom Fonds Heimspiel der Kulturstiftung des Bundes

Woran erinnern wir uns, wenn unser gelebtes Leben – ganz nüchtern mathematisch betrachtet – eine größere Zeitspanne besitzt als die erwartete Zukunft? Was bleibt von meinem Leben in meinem Gedächtnis und dem der Anderen haften? Wer bin ich also gewesen und wer will ich noch werden? Beim Beantworten solcher Fragen merken wir: unsere Erinnerungen sind sprunghaft, unser Gedächtnis arbeitet assoziativ und unsere Wünsche sind grenzenlos in Form und Maß – hoffentlich. Ein Theaterprojekt über das Alter(n) muss dem Rechnung tragen, kann sich nicht mit der Geschlossenheit einer Erzählung zufrieden geben; muss Widersprüche unbeantwortete Fragen ebenso zulassen, wie selbstformulierte Antworten vom Publikum einfordern.

Die entstandene und in Form und Inhalt offene szenische Montage heterogener Biographie-Schnipsel prallt dabei auf die geschlossenen Räume der Inneren Station des ehemaligen Rudolstädter Kreiskrankenhauses: Gezeigt werden in den Patientenzimmern, ähnlich Artefakten in einer Ausstellung, biographische Momentaufnahmen, Bilder verschiedener Lebenserfahrungen eingebettet in medizinischem Ambiente. Wir hören Ausschnitte aufgezeichneter Erinnerungen und sehen die DarstellerInnen dazu agieren – mal stehen ihre gestischen Bruchstücke im bebildernden, mal im widersprüchlichen Verhältnis zum Gesagten. Die eigene Ich-Erzählung stimmt – wie so oft im Leben – auch hier nicht immer mit der Wahrnehmung der Außenstehenden überein.

Der zweite Teil der Inszenierung führt aus der strengen Vereinzelung der Stationszimmer in das mehr oder weniger gesellige Ambiente des ehemaligen Speisesaals, in die Gemeinschaft einer Festgesellschaft, die den ‚erstrebenswerten’ 100. Geburtstag feiern will. Am Ende der Aufführung wird damit jedoch keine Utopie des Alter(n)s im 21. Jahrhundert propagiert – vielmehr ist eine Feier des Lebens, ein gemeinsam geteilter Augenblick, in dem man das Wesentliche erkennen und das Irrelevante vergessen kann: Also keine Suche nach der verlorenen, sondern ein Finden von erfüllte Zeit im Moment.

Darsteller*innen
  • Anatol Schellenberg
  • Barbara Künzel
  • Christiane Kühne
  • Dietrich Höhne
  • Eva Krüger
  • Georg Klimm
  • Gisela Hennersdorf
  • Hanno Müller
  • Jutta Kühn
  • Margarete Rosenbusch
  • Renate Walter
  • Sibylle Richter
  • Siegfried Hutschenreiter
  • Sonatha Poppowitsch
  • Ursula Jahn
  • Walter Jarosch
Regie Matthias Spaniel & Thea Kneisel
Ausstattung Johanna Fischer
Assistenz Sebastian Heuchel
Produktion Petra Rottschalk
Trailer
Premiere 30.09.2011, ehemaliges Kreiskrankenhaus Rudolstadt
Aufführungsfotos Henning Schossig