Schiller bewegt… (2014)

Eine theatrale Busfahrt durch die vier Thüringer Schillerstädte

Friedrich Schiller hatte eine bewegte und bewegende Zeit in Thüringen: verfolgt, verleibt, verehrt, verstorben… Gemeinsam mit ca. 30 Jugendlichen aus den vier Schiller-Städten begeben wir uns an vier aufeinanderfolgenden Sommertagen auf die Suche nach Orten, die für den Dichter und Denker von Bedeutung waren, um diesen in der Gegenwart neu zu (er)finden. Bei diesen vier ungewöhnlichen Stadtrundfahrten sitzen dabei alle im selben (Oldtimer) Bus… Startpunkt für das jugendkulturelle Projekt, ist am 17. Juli Meiningen, Schillers erste Station in Thüringen. Mit falschem Decknamen fand er als Dr. Ritter im nahegelegnen Bauerbach Unterschlupf vor den Behörden des Herzogs von Württemberg – bis in dieses entlegene Dörfchen wird uns die Fahndung nach dem revolutionären Dichter führen. Einen Tag später geht es nach Rudolstadt, wo Schiller nicht nur seine spätere Frau Charlotte kennenlernte, sondern auch das bekannte Lied von der Glocke mit seiner eigentümlichen Verknüpfung von vorwärtsdrängender Weltgeschichte und rückwärtsgewandten Biedermeier verfasste. Und genau dieses ‚Kleingartenidyll’ wird von den jugendlichen Spielern hinterfrag: Was wäre Schiller heute, ein angepasster Karrierist oder einer der auf die Straße geht?
Auf die Straße sind die Studenten am 26. Mai 1789 in Jena gegangen, um Schillers berühmt-berüchtigte Antrittsvorlesung zu hören. Sein alter Jugendfreund Andreas Streicher, der selber nie in Jena war, wird uns gut 225 Jahre danach am 19. Juli durch die Gassen der Universitätsstadt führen, um diesem Ereignis bzw. Wendepunkt in Schillers Leben zu gedenken: Die wilden Wanderjahre sind mit seiner ersten Festanstellung nun endgültig vorbei. Am 20. Juli endet das gemeinsame Projekt in Weimar, dort wo auch das Leben des inzwischen berühmten Klassikers sein Ende fand. Doch was bleibt von diesem bzw. was soll von mir selber nach meinem Tod bleiben? Diese grundlegende und zeitlose Frage wird dem Publikum in assoziativen Bilder und Szenen auf einer Fahrt zum letzten gemeinsamen Mahl gestellt – und damit endet das Projekt in der Gegenwart unseres Lebens, für die die Werke Schillers immer wieder neu Bedeutung und Aktualität erlangen können, wie dieses Projekt eindrücklich zeigen will.
„Friedrich Schiller ist keine Heizdecke. Friedrich Schiller wärmt Euch nicht!“ Unter diesem Schlachtruf setzte sich am Montagnachmittag in Rudolstadt der Oldtimerbus der Marke „Fleischer“ in Bewegung und die Generalprobe zu „Schiller bewegt“ begann. […] In dem Alten Omnibus begeben sich die Zuschauer und die zehn Rudolstädter Schauspieler gemeinsam auf die Suche nach Stationen von Schillers Alltag. Der Bus wird so nicht nur zum Transportmittel, sondern durch Spielsequenzen – innen wie außen – selbst zur Bühne. Rebecca Rech, OTZ, 16.07.2014
Eine „theatrale“ Busfahrt zu den Schillerstätten der jeweiligen Stadt. Das Publikum wird zur Touristen-Horde. Beim Fußmarsch durch Meiningen und beim Ausflug ins nahe Bauerbach lässt es sich vom Theaterspiel der Jugendlichen überraschen. Und die haben nur ein Ziel: Schiller nicht etwa zum Angucken präsentieren, sondern in Form kleiner biografischer Skizzen, mit deren Hilfe sich das Publikum – ein bisschen Fantasie vorausgesetzt – zurückbeamen kann in das Jahr 1782. Peter Lauterbach, Freies Wort 19.07.2014
Darsteller*innen
  • Meiningen: Katja Böttger, Elisa Lehmann, Julia Hartmann, Natalie Kilian, Nico Messerschmidt, Kevin Siede, Monika Thiel

  • Rudolstadt: Anne Anders, Stefan Geißler, Victor Gluschkov, Anastasia Kochelaba, Till Lang, Ronja Linke, Sarah Schelle, Stefan Schmidt, Elisabeth Welter, Joana Wolfram

  • Jena: Egzon Ahmeti, Alina Sonnefeld, Patrick Ljatifi, Florian Schmittke, Samira Bauer

  • Weimar: Friedrich Bahr, Leah Fassbender, Advaita Kästner, Paula Mörstedt, Madleen Singer, Jennifer Schuchardt, Josefine Schuchardt
Künstlerische Leitung Matthias Spaniel
Projektleiter*innen Meiningen: Maria Albu & Raphael Kübler
Rudolstadt: Christian Engelbrecht & Daniela Danz
Jena: Anne Dünger & Katrin Richter
Weimar: Stefanie Heiner & Marcel Sparmann
Ausstattung Johanna Fischer
Assistenz Claudia Henniger
Videodokumentation Josephine Links, Michel Unger, Paula Sell
Produktion Petra Rottschalk
Premiere 17. – 20.07.2014 (Meiningen, Rudolstadt, Jena, Weimar)
Spieldauer ca. 120min